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Die Piratenpartei und ihre Selbstüberschätzung

Mai 17, 2010

Verglichen mit der Linkspartei hat die Piratenpartei trotz der von ihren AnhängerInnen immer wieder verbreiteten Verschwörungstheorien, sie würde von den etablierten Medien nicht richtig beachtet, eine massive Aufmerksamkeit erfahren.

In den Abendnachrichten wie heute journal oder tagesthemen wurde ihr sogar mehr Zeit zugestanden als den Linken. Um das mal in die Balance zu bringen: Die Linkspartei sitzt in 13 von 16 Landesparlamenten und im Bundestag. Die Linkspartei hat sieben mal mehr Mitglieder als die Piraten. Bei der Linkspartei gab es einen Führungswechsel weg von Lafontaine, der zur A-Prominenz im politischen Geschäft gehört.

Die Piratenpartei hat zuletzt in NRW 1,5% geholt. Zugegebenen: Durch die Piraten sind einige Themen neu auf die Agenda gehoben worden. Sie ist und bleibt aber eine Nischenpartei für junge Männer in den 20ern. Nicht mehr und nicht weniger. Die beste Zeit hat sie voraussichtlich hinter sich. Der Parteitag hat auch gezeigt, dass sie nicht fähig ist, eine gute und inhaltliche Debatte zu führen. Demzufolge hielt sie sich mit Personaldiskussionen und Geschäftsordnungsanträgen auf. Mal gucken, wie sie in Bremen und Berlin bei den nächsten Wahlen abschneiden wird. Wenn sie da nicht in die Landesparlamente reinkommt, ist sie wohl auf Dauer weg vom Fenster. Sicher, der eine oder andere Punkt würde mit weniger Verve vorgetragen werden. Allerdings hat sich ein Großteil der etablierten Parteien mittlerweile viele Punkte der Piraten zu Eigen gemacht. Auf der guten Seite zu verbuchen wäre das Ende der Besserwisserei von PiratenanhängerInnen im Netz, die ein fast unerträgliches Maß an Arroganz angenommen hatten. Jeder kritische Bericht wurde mit Kommentaren gespammt, die nicht der inhaltlichen Diskussion dienten, sondern vielmehr dem Schlechtmachen der anderen Seite. Wenn das wieder aufhört, hätte das auch was gutes…

Kritische Beiträge zum Piraten-Parteitag und u. a. dem völligen Fehlen von Frauen im neuen Vorstand gibt es hier:

http://blog.till-westermayer.de/index.php/2010/05/16/senf-zum-piratenparteitag/

http://www.iheartdigitallife.de/postgender-in-bingen/

http://antjeschrupp.com/2010/05/16/die-piraten-und-ihr-frauenproblem/

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Und alle so yeah

Mai 15, 2010

Nach langer Abstinenz mal wieder ein Post. Leider waren die letzten Monate vor allem mit viel Arbeit zugeknallt. Das wird bald wieder besser. Versprochen. Ich werde mich bald wieder mit Neuigkeiten aus dem Berliner Innenstadtleben von Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain zurückmelden. Bis dahin, schließt die Augen und stellt euch vor, es wäre tatsächlich Frühling und nicht so ein scheiß Wetter da draußen…

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Heute Abend? Sylvester? Berlin? Wohin?

Dezember 31, 2009

Klickt auf

http://www.residentadvisor.net/mail/local_506.htm

und ihr kriegt ne gute Übersicht, wohin es gehen könnte die nächsten Tage. Als Warnung vorweg geschickt: Der 31.12. ist nicht unbedingt das beste Partywochenende in Berlin. Lange Schlange, voll, teuer und ständig das Gefühl, woanders könnte es noch besser sein. Aber natürlich kann man auch so viel Spaß haben mit genügend Alkohol und irgendwann in der richtigen Location.

Viel Spaß und rutscht gut rein.

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Ist Hip-Hop tot? Und Elektro?

Dezember 30, 2009

Warum es sich doch lohnt, etwas mehr Geld für die Zeitung auszugeben und sich eines der großen deutschsprachigen Blätter zu leisten, beweist der Artikel von Jonathan Fischer in der heutigen FAZ. Unter der Überschrift „Ihr wollt die Provokation? Hier habt ihr Babybrei“ gibt er eine gute Übersicht über das Dilemma des aktuellen Hip Hop.

Hip Hop ist tot, es lebe der Hip Hop! Für die Zukunft dieses einstmals progressiven und gesellschaftsrelevanten Genres prophezeit er eine ähnliche Entwicklung wie einstmals beim Jazz. Für uns bleibt nur noch zu hoffen, das daraus vielleicht einmal wieder intelligente Texte und neue musikalische Richtungen entstehen, mit denen mehr verbunden wird als „get rich or try dying“. Für mich persönlich war der Hip Hop eigentlich schon Mitte der 90er mit dem ganzen Scheiß rund um Puff Daddy etc. tot. Allerdings ließ ich mich dann immer wieder schön überraschen, wie doch neue Dinge raus kamen, die einen dann tatsächlich noch an die Zukunft der Mukke glauben ließen. Mittlerweile bin ich aber genauso wie Jonathan Fischer der Meinung, dass aus Einfallslosigkeit eigentlich nur noch der Markt der hormonverrückten Pubertätskids bedient wird… Nur ein Beispiel für viele andere Musik-Genres? Muss das immer so sein?

Nein!

Elektro scheint da weiter, auch, weil sich diese Musik vielmehr ihren Charakter des Underground selbst in vielen kommerziellen Varianten bewahrt hat. Das macht Mut, dass zumindest in diesem Genre in einer „Erholungsphase“ neue Kreativität für die nächste Explosion geschöpft wird. Dennoch scheint auch hier, nach dem zweiten großen Boom (die 00er Jahre mit der Entstehung der Clubkultur 2.0) bereits die nächste Historisierung einzutreten. Unweigerlich das Vorzeichen, dass es bald mit diesem Boom wieder vorbei sein wird. Mit dem großartig zu lesenden Buch „Lost and Sound“ von Tobias Rapp und natürlich dem Film „Berlin Calling“ sind dieser Zeit ja schon ein paar Denkmäler gesetzt worden.

Mal schauen, ob die früher eher unüblichen Gesichtskontrollen vor den Möchtegern-Coolio-Clubs bald wieder der Vergangenheit angehören. Das Berghain als Technomekka wird sich das wohl  noch etwas länger leisten zu können. Aber die anderen? Die andere Frage ist natürlich: Wird durch die industriekulturelle Verarbeitung von elektronischer Musik auch ein weiteres Phänomen der 90er Jahre zurückkommen? Der Umlandraver oder auch Umlandstampfer. Leute die damals viel in Berliner Clubs unterwegs waren, wissen sicherlich, was gemeint war. Für andere: wird sicherlich noch einmal an dieser Stelle aufgeklärt, was damit gemeint ist.

Ich bin gespannt über die weitere Entwicklung.

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Die FDP im Kampf für die Banker

Dezember 28, 2009

Tja, jetzt hat die FDP ein schönes Eigentor geschossen. Und die Kanzlerin muss mal erzählen, ob sie die Boni-Besteuerung tatsächlich so toll findet, wie sie vorher tat, als diese noch nicht umsetzbar schien. Die FDP gab ein Gutachten in Auftrag, mit der sie beweisen wollte, dass eine Sondersteuer ähnlich der in Großbritannien (Boni werden mit einer Sondersteuer von 50% belegt) verfassungswidrig sei. Doch Pech gehabt. Das Ergebnis zeigt etwas völlig anderes.

Doch mehr dazu in der Frankfurter Rundschau unter

http://www.fr-online.de/top_news/2170974_Steuer-auf-Banker-Boni-Das-Eigentor-der-FDP.html

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Nie wieder Dussmann

Dezember 28, 2009

Was ich aus Weihnachten lerne?

Nie, nie wieder Dussmann! Ich werde nie wieder meine Weihnachtsgeschenke bei Dussmann in der Woche vor Weihnachten kaufen.

Nicht nur, dass Dussmann ein Unternehmen der Klasse Lidl bei Arbeitnehmerbehandlung ist. Auch die Tatsache, dass praktisch jeder Zentimeter des „Kulturkaufhauses“ von wildgewordenen Konsumopfern belegt ist, macht das Geschenke kaufen zur Herausforderung im Nahkampf.

Nächstes Jahr werde ich bestimmt nicht früher zum Einkaufen kommen. Aber es gibt ja noch andere Taktiken. Einfach über Amazon.de surfen und dann zum Buchladen um die Ecke, um dort die gefundenen Sachen zu bestellen oder evtl. den ein oder anderen Tipp abzuholen. Dann wird nicht nur ein kleiner Einzelhändler vor Ort unterstützt. Auch bei den Autoren und Verlagen bleibt mehr übrig. Die Großunternehmen senken nämlich (z. B. Amazon) durch ihre Marktmacht massiv die Einkaufspreise, ohne dies an die Kunden weiterzugeben.

Und das Wichtigste: Man spart Zeit und Nerven. Beides braucht man für den Familienmarathon ja wahrscheinlich viel eher.

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Initiative für arbeitnehmerfreudliche Partyzeit

Dezember 24, 2009

Gestern dagewesen. In der ZMF am Weinbergspark. Gute Locations, in der auch immer wieder gute Partys am Start sind. Die Idee ist so einfach, wie gut. Statt einer einfachen Kopie der vor einiger Zeit sehr beliebten After-Work-Partys mit Gammelmucke jetzt einfach mal ne Party zu angenehmen Zeiten (,Mittwoch, 18 Uhr), mit guter Musik (Elektro). So, dass nicht gleich der ganze Tag im Arsch ist und man es auch am nächsten Tag noch ins Büro schafft. Zumindest, sollte man nicht sein Geld in der Berliner Clubszene verdienen und den Tag schon vormittags starten müssen.

Vielleicht war der 23. 12. nicht der beste Tag zum Ausprobieren, weil

1. ein Großteil der Zielgruppe gar nicht mehr in der Stadt weilt

2. ein weiterer Großteil am 24. nicht arbeiten muss

3. das letzte Drittel sich wohl lieber in Form hält für das familiäre Besäufnis, um nach überstandener Bescherung dann richtig losziehen zu können.

Ergebnis war ein magerer Besuch. Trotz guter Musik konnte die Tanzfläche deshalb nicht wirklich gefüllt werden. Außerdem gab es einen enormen Männerüberschuss, weil der Großteil der anwesenden irgendwelche alten Schulkumpels des DJs zu sein schienen. Egal, gebe dem Laden auf jeden Fall wg. der guten Idee, der guten Mucke und der zentralen Lage wohl im Januar oder Februar noch eine Chance. Sollte es da aber ähnlich leer sein, kann das Konzept als für Berlin gescheitert gelten.